konstrukt

Brini Fetz:

Frei nach der Gestaltungsmethode des Prinzips von Anmutung und Wirkung (nach Judith M. Grieshaber) entstand »konstrukt«– eine sprachliche und visuelle Annäherung zur Konstruktion der Wirklichkeit.

Der Grundgedanke des Projekts beruht auf der Idee des Radikalen Konstruktivisums, demnach konstruiert sich jedes Individuum seine eigene Wirklichkeit. Das bedeutet, dass – bedingt durch eine variable, physische Wahrnehmung und der automatischen individuellen und kulturell bedingten Wertung, Sinn- und Bedeutungszuschreibung – nie von einer menschlich wahrgenommenen Objektivität gesprochen werden kann. Wird diese scheinbare Objektivität, die der einzelne meint wahrnehmen zu können, als allgemein gültig erachtet und nicht kritisch hinterfragt, resultieren daraus nicht nur zwischenmenschliche Konflikte im kleinen Rahmen, sondern auch gesellschaftliche Ausgrenzung und sogar Kriminalisierung können die Folge sein. Denn als abnormal gilt, was nicht der mehrheitlichen Norm entspricht. Umgesetzt wurde das Projekt in Form eines ausführlichen Konzeptheftes, einem Buch als Hauptmedium und einem begleitenden Heft mit einer von mir verfassten Annäherung an die Wirklichkeit. Das hochformatige Buch in Japanbindung zeigt Texte und Illustrationen, die die Wirklichkeiten von zwei fiktiven Charakteren, die ein und den selben Moment erleben, beschreiben. Die sprachlichen und visuellen Mittel sind dabei streng nach dem Prinzip von Anmutung und Wirkung definiert und umgesetzt worden. Eine zentrale Rolle spielt die Japanbindung, da in den Zwischenseiten, die nicht aufgeschlagen werden können, eine »sachliche Ebene« mitläuft. Diese kurzen und prägnanten Sätze dienen nur als inhaltliche Stütze und sind versteckt, da es nach der Idee des Radikalen Konstruktivismus keine reine objektive und beobachterunabhängige Realität geben kann.

Betreuende Professorin:
Prof. Judith M. Grieshaber

www.brinifetz.de